Wilhelmstraße 26: Vom DDR-Wohnungsbau zum modernen Stadtbaustein
Die Wilhelmstraße 26 ist ein Gebäude mit Geschichte. Errichtet wurde der markante Bau in den 1980er-Jahren im Rahmen des Wohnungsbauprogramms der DDR. Nachdem zuvor größere Wohngebiete in typischer Blockbauweise entstanden waren, sollte das Konzept des modernen, sozialistischen Wohnens auch den historischen Stadtkern von Heilbad Heiligenstadt erreichen.
Anstelle der kleinteiligen, von niedrigen Häusern geprägten Einkaufsstraße war ein großer Wohnkomplex mit integriertem Lebensmittelmarkt vorgesehen. Die Wohnungen boten zur damaligen Zeit einen modernen Standard und standen für zeitgemäßes innerstädtisches Wohnen.
Neue Perspektiven für ein prägendes Gebäude
Nach rund vier Jahrzehnten intensiver Nutzung entsprach das Gebäude technisch und gestalterisch nicht mehr den heutigen Anforderungen. Insbesondere die Haustechnik war umfassend sanierungsbedürftig. Gemeinsam mit einem Planungsbüro entwickelte und bewertete die KOWO deshalb unterschiedliche Konzepte für die Zukunft des Objekts.
Die Überlegungen reichten von einem vollständigen Neubau bis zu einer Teilprivatisierung mit Penthouse-Wohnungen auf der Dachgeschossebene. Nach sorgfältiger Abwägung fiel die Entscheidung auf eine Lösung, die den vorhandenen Baukörper bewahrt und ihn zugleich gezielt weiterentwickelt.
Durch ausgewählte Eingriffe in die Gebäudestruktur entstanden zeitgemäße Wohnungsgrundrisse sowie Balkone und Austritte. Auf diese Weise konnte die bestehende Bausubstanz sinnvoll genutzt und an die heutigen Wohnbedürfnisse angepasst werden.
Moderne Architektur im historischen Umfeld
Eine besondere Herausforderung bestand in der äußeren Gestaltung des großen Baukörpers. In enger und kooperativer Abstimmung mit dem städtischen Bauamt wurde ein Konzept entwickelt, das die massive Wirkung des Gebäudes deutlich reduziert.
Unterschiedlich gestaltete Dach- und Fassadenbereiche gliedern das Gebäude optisch und geben ihm ein modernes Erscheinungsbild. Gleichzeitig fügt sich die Wilhelmstraße 26 heute besser in das Umfeld der kleineren, historisch gewachsenen Nachbargebäude ein. Ziel war keine bewusste Abgrenzung von der Umgebung, sondern eine zeitgemäße Architektur, die den Charakter der Innenstadt respektiert.
Mehr Aufenthaltsqualität und Vorbereitung auf neue Mobilität
Auch der frühere Anlieferungshof wurde neu gedacht. Dort entstanden zusätzliche Stellplätze für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie neue innerstädtische Grünflächen. Damit verbindet die Gestaltung praktische Anforderungen mit einer höheren Aufenthaltsqualität.
Zugleich wurde die mögliche Entwicklung hin zur Elektromobilität berücksichtigt. Umfangreiche technische Vorbereitungen ermöglichen es, künftig E-Ladesäulen an den Parkplätzen zu errichten und die notwendige Infrastruktur bedarfsgerecht auszubauen.
Ein wirtschaftlich tragfähiges Gesamtkonzept
Der KOWO ist es gelungen, das Objekt wirtschaftlich und langfristig tragfähig zu entwickeln. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die langfristige Vermietung einer großen Gewerbefläche im Erdgeschoss, die unmittelbar an die Fußgängerzone angebunden ist. Wohnen und Gewerbe ergänzen sich damit an einem zentralen Standort in der Heilbad Heiligenstädter Innenstadt.
Ein richtungsweisendes Projekt für Heilbad Heiligenstadt
Die Wilhelmstraße 26 ist für die KOWO ein besonderes und identitätsstiftendes Projekt. Es zeigt, dass das kommunale Wohnungsunternehmen nicht nur Verantwortung für die großen Wohngebiete Liethen und Rinne übernimmt, in denen sich rund die Hälfte des KOWO-Wohnungsbestandes befindet.
Auch im historischen Zentrum kann die KOWO stadtbildprägende Gebäude erfolgreich weiterentwickeln, moderne Wohnqualität schaffen und wichtige Impulse für die Zukunft der Innenstadt setzen. Die Wilhelmstraße 26 steht damit beispielhaft für einen verantwortungsvollen Umgang mit vorhandener Bausubstanz – und für die Verbindung von Geschichte, zeitgemäßem Wohnen und nachhaltiger Stadtentwicklung.














